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Jungvolkbildung mit Bienenfluchten

Vor der Ernte von Honig ist der zu erntende Honigraum im besten Fall voll junger Bienen, die den Honig pflegen. Oft folgt nach der Honigernte eine trachtarme Zeit. Das heißt, nach der Ernte sind die Honigraumbienen „übrig“ und haben wenig zu tun. Sie müssen aber jeden Tag etwas essen und meist schrumpfen in der Zeit die noch übrigen Reserven an Nektar und Honig. Warum also diese Bienenmasse nicht nutzen und neue Völker damit aufbauen?

Zwei Verfahren

Es gibt zwei Verfahren:

  • die Honigbienen laufen aus den vollen Honigräumen über die Bienenflucht direkt zu ihrer neuen Königin
  • die Honigraumbienen laufen zurück in ihr bisheriges Volk, idealerweise in eine Zarge mit honigfeuchten Waben und werden später mit den frisch geschleuderten Waben über ein Absperrgitter wieder in die oberste Zarge ge“saugt“. Das nennt man Ablegerbildung mittels Saugling.

Die Königinnenzucht war erfolgreich, die Damen sind begattet und haben schon ein paar Miniplusrahmen mit Brut angelegt. Doch nun brauchen die Majestäten mehr Bienen, um über den Sommer ein überwinterungsfähiges Volk aufzubauen.
Dafür kann man den Wirtschaftsvölkern Bienen klauen, denn in einer Standimkerei gibt es nach fast jeder Massentracht eine kurze oder längere Trachtpause. Dann lohnt es sich die vielen Bienen aus den Honigräumen für neue Völker zu verwenden. Setzt die nächste Tracht erst in zwei bis drei Wochen ein, sind bis dahin wieder viele Bienen geschlüpft. Bildet man die Jungvölker direkt nach der ersten Tracht, können diese im Sommer sogar noch Honigertrag bringen.

In manchen Jahren fallen die Spättrachten aber auch ins Wasser, wenn es im Juni durchregnet. Dann kann man auch umdisponieren und von den Wirtschaftsvölkern Bienen statt Honig ernten. So lassen sich auch mit gekauften Königinnen im Sommer noch Ableger machen, um seinen Völkerbestand auszubauen. Doch auch wenn es gehonigt hat, müssen beim Abschleudern nicht alle Honigraumbienen im Volk bleiben. Jetzt kann man die überschüssige Bienenmasse gut für die jungen Königinnen nutzen. Doch wie stibitzt man den Wirtschaftsvölkern die Bienen? Entweder mit einem Kunstschwarm mit Bienen aus den Honigräumen oder einem Saugling. Diese Verfahren sind sehr einfach und können auch gut von Anfängern durchgeführt werden.

Vom Honigraum direkt zur neuen Königin

Wer im Sommer Kunstschwärme bilden will, kann dafür selbst gezogene Königinnen nehmen oder welche kaufen. Man hängt sie im Zusetzkäfig mit Futterteigverschluss zwischen zwei
Rähmchen oder direkt außen ans Schied. Kunstschwärme, auch Kehrschwärme genannt, sind Bienen, die ohne Königin von den Waben gekehrt (gefegt) werden. Wer mit Bienenflucht arbeitet, hat es sogar noch einfacher: Die Bienen müssen nicht abgekehrt werden, sondern laufen über die Bienenflucht direkt in die Beute zur neuen Königin.

Zusetzkäfig für die Königin mit Futterteig

Als Zusetzkäfig eignet sich nicht nur ein Versandkäfig, sondern auch das Zuchtsystem von Nicot. Mit dem Zuchtstopfen verschlossen kann die Königin mit Begleitbienen transportiert werden. Der Futtervorrat wird in das Näpfchen gedrückt. Um die Königin einzuhängen, hab ich an das dicke Ende des Käfigs einfachen Blumendraht befestigt, den ich über das Rähmchen oder das Schied biegen kann.

Es eignet sich für den Verschluss im Zusetzkäfig fester Cremehonig oder Futterteig aus Puderzucker und Honig (3 Teile Puderzucker : 1 Teil Honig). Bitte immer nur eigenen Honig verwenden, da man bei fremdem Honig nicht weiß, ob Krankheitskeime mit im Honig sind.

Im Sommer darf der Teig recht fest sein, da die Wärme sonst dafür sorgt, dass der Futterteig aus dem Zusetzkäfig herausfließt. Im Frühling oder Herbst, wenn die Außen-Temperaturen weniger als 15 bis 16 Grad Celsius haben, dann sollte der Futterteig weicher sein, so dass die Königin von den Bienen auch befreit werden kann.

Ist der Futterteig zu weich, kann die Königin im ungünstigen Fall verkleben und sterben. Damit das nicht passiert, wird der Zusetzkäfig mit dem Futterteig im Ablegerkasten schräg nach unten aufgehängt. Ist der Teig versehentlich zu weich, fließt er nach unten und kann dabei die Königin nicht verkleben. Wenn die Beute verschlossen ist, kommen die Bienen über die Bienenflucht nacheinander in die Zarge zur neuen Königin. Es besteht dabei wenig Gefahr, dass sie nicht angenommen wird. Vorausgesetzt die Königin und die Honigraumbienen gehören der gleichen Rasse an, zum Beispiel Carnica und Carnica-Landrasse.

Zuvor wird einiges vorbereitet:

  • Neue Beute: Diese stelle ich mit verschlossenem Flugloch direkt neben oder hinter das Wirtschaftsvolk, dass ich die Honigräume nicht weit tragen muss – oder gleich auf den Hänger, damit ich die Jungvölker sofort mit den Honigräumen abtransportieren kann. Der Gitterboden muss offen bleiben, damit die Bienen von unten genug Luft bekommen. Am Boden lege ich dafür Latten oder Balken unter, damit die Luft direkt von unten in die Beute gelangen kann.
  • Wabensitz vorbereiten: In meine Dadant-Beute kommen: eine Futterwabe, eine ausgebaute Wabe und ein Rähmchen mit Mittelwand. Diese Waben werden auf jeder Seite mit einem Schied eingeengt. Hinter das Schied (zwischen Schied und Außenwand) „können“parken“ nochmal zwei bis drei Mittelwände, die ich später ans Nest rutschen kann oder die Bienen bauen sie schon vorher und ich habe keine Sorge, dass sie Wildbau hinter dem Schied bauen müssen, wenn ich sie zu spät kontrolliere.

Wie geht’s weiter?

  • Rähmchen fixieren: Transportiere ich die Beuten, klebe ich die Rähmchen mit Wachsresten (z. B. Wildbau) fest, dass sie beim Tragen oder Fahren nicht verrutschen, vor allem bei frisch gereinigten oder neuen Beuten. Der Bienenkasten wird so auf dem Anhänger abgestellt, dass die Waben alle auf der Seite zum Zugfahrzeug hängen. Damit besteht wenig Gefahr, dass die Waben verrutschen können.
  • Königin zusetzen: Die Jungkönigin kommt in einen Zusetzkäfig oder Lockenwickler mit Futterteigverschluss und wird zwischen Leerwabe und Mittelwand gehängt: am besten direkt unter den Ausgang der Bienenflucht. Alternativ kann ich sie auch ans Schied außerhalb des Nestes hängen, damit der Käfig nicht in die Waben eingebaut wird. Die Bienenflucht sollte ich so drehen, dass die Bienen die Königin direkt durch das Gitter riechen können .
    Gehören Königin und Bienen unterschiedlichen Rassen an, verwende ich einen 5-Tage-Zusetzkäfig. Dann haben die Bienen länger Zeit, sich an die neue Königin zu gewöhnen, bevor sie die Futterkammer leer fressen und aufeinander treffen. Zugesetzt werden sollte eine Königin immer nur dann, wenn sie auch schon eine Weile Eier gelegt hat, dann bewegt sie sich langsamer und sicherer und wird von den Bienen besser angenommen. Zwei bis drei vollständige Dadant-Brutwaben sind dabei für mich das Maß. Ansonsten kann es passieren, dass die Königin bei der ersten Durchsicht hektisch wird und von den Bienen geknäuelt und abgestochen wird.
  • Flucht auflegen: Wenn ich die Beuten schon morgens vorbereite, kommen zur Königin im verschlossenen Zusetzkäfig gleich noch eine Handvoll Bienen in die Beute, die sich um sie kümmern, und ich lege gleich die Bienenflucht auf die Brutzarge. Zusätzlich lege ich einen Innendeckel auf, damit es in der Beute dunkel ist, sowie einen Außendeckel, falls es regnen sollte.
5-Tage-Zusetzkäfig für die Jungvolkbildung bei einer rassefremden Königin

Bild: 5-Tage-Zusetzkäfig, die Königin ist frei gefressen. Die Bienen haben daneben gleich gebaut, das ist immer ein gutes Zeichen.

Jetzt wird es ernst

  • Honigräume aufsetzen: Ist die Beute so vorbereitet, stelle ich im Mai einen Honigraum voll mit Bienen und ab Mitte Juni mindestens zwei Honigräume auf die Flucht. Die Honigraumbienen laufen anschließend hinunter in ihre neue Beute. Sind die Honigräume nicht vollständig voll mit Bienen, kann ich am nächsten Tag die bienenleeren Honigräume abnehmen und nochmal einen oder zwei Honigräume aufsetzen. Der Kunstschwarm sollte im Sommer (ab Mitte Juli) mindestens zwei bis drei Kilogramm Bienenmasse haben, also circa 20 bis 30 Tausend Bienen.
  • An Ablegerplatz stellen: Da Kunstschwarmbienen wenig Milben mitbringen und keine Brut vorhanden ist, sollte man die Ableger an einen eigenen Platz außerhalb vom Flugradius stellen. Hier können sie in der brutfreien Phase, ca. neun Tage lang, mit Oxalsäure beträufelt oder besprüht werden und starten milbenarm mit der Aufzucht von gesunden Winterbienen. An einem neuen Standort gibt es weniger Reinvasion oder Räuberei, als würden sie bei den Wirtschaftsvölkern stehen bleiben.

Bienen mit honigfeuchten Waben „ansaugen“

Sind meine Königinnen noch nicht so weit oder ich habe bei der Ernte keine Zeit noch Ableger zu bilden, kann ich das auch noch nach dem Schleudern machen. Dabei setze ich die honigfeuchten Waben über Absperrgitter auf die Völker. Die Bienen eilen nun nach oben, putzen die Honigreste aus den Zellen und wollen die angerissenen Zellwände wieder reparieren. Ich sauge mit den honigfeuchten Waben die Bienen also förmlich nach oben, deshalb wird diese Methode auch Saugling genannt. Das ergibt schnell einen Honigraum voll junger Bienen.

der Honigraum kommt über die Bienenflucht. Die Bienen laufen von hier zur neuen Königin in die untere Beute.

Die Zargen sind bereits nach einer Stunde mit Bienen gefüllt. Jetzt kann ich sie abnehmen und wie oben beschreiben über Flucht auf eine neue Beute setzen. Auch hier laufen die Bienen nach unten, da in der unteren Brutzarge genug Platz ist. Sind die oberen Waben immer noch honigfeucht, kann ich sie später nochmal zum Auslecken auf das ursprüngliche Volk stellen. Bei dieser Methode kann ich die Wirtschaftsvölker sofort nach der Ernte füttern und behandeln.

Jungvölker pflegen: Futter und Ruhe

Nach ein, zwei Tagen sind die Bienen meist alle unten und die Honigräume bienenfrei. Dann nehme ich sie ab und lege Holzinnendeckel auf die Bienenfluchten. Die Fluglöcher der Ableger öffne ich erst am dritten Tag ganz klein. Bleistiftgroß reicht völlig aus, also maximal so, dass zwei Bienen aneinander vorbei krabbeln können. So können sie ihren Stock besser verteidigen, wenn Räuberbienen an ihre Futtervorräte wollen.

Sind die Ableger stark gebildet, kann man ein größeres Flugloch auch mit einem Wachsröllchen aus einer Mittelwand verkleinern, dann können sich die Bienen das Flugloch selbst größer machen, wenn sie Bedarf dafür haben. Sieben Tagen nach der Bildung setze ich im Sommer einen Fütterer auf. Die Bienen werden nun mit kleinen Gaben (2 Liter) Zuckerwasser im Verhältnis 1:1 gefüttert. Bei solch einer dünnen Lösung bauen sie die Mittelwände zügig, gibt man zu viel Futter auf einmal, wird das Futter schnell eingelagert und die Königin hat nur noch wenig Platz zum Legen. Zwei Liter Zuckerwasser pro gegebene Mittelwand sind völlig ausreichend.

Bei der zweiten Futtergabe sollte man kurz kontrollieren, ob die Königin legt und weiteren Platz braucht. Gegebenenfalls gibt man eine weitere Mittelwand und verschließt die Beute schnell wieder. Junge Völker sollte man in Ruhe lassen. Sobald eigene Bienen der Königin geschlüpft sind, wird die Gefahr des Abstechens für eine rassefremde Königin geringer. Wer noch kleinere Brutableger hat, die sich nur schleppend entwickeln, kann diese im Sommer ebenfalls mit Honigraumbienen über die Bienenflucht verstärken.

Eine ausführliche Anleitung findest du auch hier: Ablegerbildung mit der Honigernte

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