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Drohnenbrütigkeit im Winter

Manchmal geht über den Winter eine Königin verloren und macht eine Drohnenbrütigkeit im Winter. Vielleicht wurde die Königin schon zu oft mit AS (Ameisensäure) behandelt oder sie ist einfach nicht genug begattet.

Normalerweise wissen die Bienen, wann sie eine neue Königin brauchen und weiseln noch im Herbst um. Diese Jungkönigin wird im späteren Herbst vielleicht nicht mehr ausreichend begattet, oder die Drohnen waren überwiegend steril. Drohnen werden unfruchtbar, wenn die Varroalast im Volk zu groß ist oder durch AS-Behandlungen. So kann eine alte Königin und auch eine Jungkönigin im Winter „verloren“ gehen oder sie legt im Frühling nur noch unfruchtete Eier. Dann gibt es trotz Königin keine weiteren Arbeiterinnen und wir müssen das Volk vielleicht umweiseln oder auflösen.

Woran merke ich, dass ein Volk im Winter drohnenbrütig wird?

Ich kann bei einer Futterkontrolle im Februar oder März die Bienen beobachten, ob sie eine Drohnenbrütigkeit im Winter ereilt hat. Die Bienen sind insgesamt unruhiger und „lauter“ als ihre weiselrichtigen Nachbarn. Durch die Unruhe verbrauchen sie schneller ihr Futter und laufen Gefahr zu verhungern. Wenn die anderen Völker bereits starten mit der ersten Brut, ist meist in einem Drohnenbrütigen Volk noch keine Brut zu sehen. Denn die Arbeiterinnen müssen jetzt ihre Eierstöcke aktiveren und legen aber nicht gleich so viele Eier wie eine Königin.

Im Winter vereinigen

Solange es noch Winter oder Erstfrühling ist (im Sinne des Phänologischen Kalenders) macht es meistens Sinn, das drohnenbrütige Volk mit einem weiselrichtigen Volk zu vereinen. Es gibt jetzt noch keine oder kaum Brut in den Nachbarvölkern, damit man das Volk „heilen“ könnte.

Die noch vorhandenen Bienen aus dem drohnenbrütigen Volk werden im Nachbarvolk ruhig und fügen sich in das normale Volksgeschehen ein. Sie sind zufrieden, wenn es eine Königin gibt. Der Futterverbrauch reduziert sich und das Nachbarvolk wird mit Bienenmasse und Futterwaben unterstützt. Gibt es bereits Drohnenbrut auf den Waben, wird diese in der Regel verlassen. Die Waben entnehme ich nach einer Woche und schmelze sie ein.

Adamfütterer beim Vereinigen hilfreich

Für die Vereinigung suche ich mir ein Nachbarvolk aus, das eine ähnliche Volksstärke hat, wie das drohnenbrütige Volk. Die Volksstärke kann ich bei beiden Völkern am Bodenschieber erkennen. Die Anzahl der Wabengassen lässt sich anhand des Gemülls auf dem Bodenschieber erkennen.

Um sicher zu gehen, dass die Unruhe und das Laut-Sein nicht eine andere Ursache haben, stelle ich für die Vereinigung einen Adam-Fütterer auf eines der Nachbarvölker (das eine ähnliche Volksstärke haben sollte). Für den Fall, dass auch noch eine Königin im Volk ist, nehme ich zusätzlich ein Absperrgitter über den Adam-Fütterer. Darauf stelle ich das drohnenbrütige Volk. Ist noch eine intakte Königin im Volk, werden die Bienen oben in ihrer Beute bei ihrer Königin bleiben. Das kann ich bei einer der nächsten Kontrollen schnell feststellen. Sind die Bienen drohnenbrütig und/oder wollen ihre Königin nicht mehr, verlassen diese die Beute durch den Futteraufstieg nach unten in das intakte Volk.

Voraussetzungen, um das Volk zu „heilen“

Sobald genügen Brutflächen in den Nachbarvölkern vorhanden sind, kann ich so ein drohnenbrütiges Volk im AUSGEHENDEN WINTER heilen. Das macht natürlich nur Sinn, wenn es sich um ein großes Volk handelt und die anderen Völker ein bis zwei Brutwaben entbehren können. Außerdem brauche ich entweder eine Königin die ich dann zusetzen kann, sobald junge Bienen vorhanden sind. Oder der Frühling ist bereits so fortgeschritten, dass einzelne starke Völker schon Drohnenbrut angelegt haben.

Dann kann ich ein drohnenbrütiges Volk mit den Brutwaben „heilen“. Ich brauche für die Heilung genug junge Bienen, die in der Lage sind, den richtigen Futtersaft herzustellen. Nur so können eine Königin und junge Maden gefüttert werden!
Das gilt allerdings nur für Völker ohne Königin. Habe ich noch eine drohnenbrütige Königin im Volk, dann ist es noch viel einfacher: Königin raus, neue Königin im Zusetzkäfig rein, oder das Volk mit einem anderen direkt vereinigen (z.B. mit Zeitungspapier zwischen den Zargen).

Drohnenmütterchen

Sind bereits Drohnemüttchen vorhanden, kann ich das Volk trotzdem „heilen“. Ein Drohnenmütterchen ist eine Arbeiterinnenbiene, die aufgrund der fehlenden Königin ihre Eierstöcke ausbildet und unbefruchtete Eier legt. Meist sind es sogar mehrere Arbeiterinnen. Drohnenbrütig werden Völker bei einem Verlust der Königin, wenn keine Brut mehr vorhanden ist, um eine neue Prinzessin heranzuziehen. Das kann zwei bis vier Wochen nach einem Verlust der Königin sein, oder genetisch bedingt auch schon früher oder erst noch später.

drohnenbrütiges Volk kann heilen

Wann muss ich buckelbrütiges Volk auflösen?

In den Imkerkursen lernt man, dass ein drohnenbrütiges Volk – das Drohnenmütterchen hat – aufgelöst werden muss. Die Bienenmasse nimmt immer mehr ab und es gibt nur noch Drohnen, die von Ammenbienen als Eier angelegt werden. Da es keine jungen Arbeiterinnen mehr gibt, schrumpft das Volk mit dem Alter der Bienen.
Es ist richtig aufzulösen, wenn es am Ende des Sommers kaum noch Brut gibt, die ich zuhängen kann.
Einem drohnenbrütigen Volk kann ich leider auch nicht einfach eine Königin zusetzen. Es nutzt auch nichts, wenn ich die Bienen einer neuen Königin zufliegen lasse. Diese alten Bienen nehmen diese Königin nicht an. Sie füttern sie einfach nicht, bzw. sie KÖNNEN sie nicht füttern, weil sie den entsprechenden Futtersaft nicht mehr herstellen können.

Ebenso nutzt ein Absperrgitter nichts beim Einfliegen lassen gegen ein Drohnenmütterchen. Es ist ja eine normale Biene, die die Eier legt und die passt durch das Absprerrgitter immer durch. D.h. am Ende des Sommers oder im Winter kann man die Bienen nur einem anderen vollständigen Volk zufliegen lassen, bzw. über Zeitungspapier und einem Adamfütterer oben aufsetzen, wenn das Wetter zum Abfliegen lassen nicht passt.

Heilen mit ein bis zwei Brutwaben

Ein drohnenbrütiges Volk kann ich ebenso gut heilen, wenn es Frühling/Frühsommer oder Sommer ist. In diesen Jahreszeiten ist es warm genug, dass Bienen nachschaffen können und ein anderes Volk Brutwaben spenden kann. In dieser Zeit „heile“ ich ein Volk von der Drohnenbrütigkeit.

Um heilen zu können, hänge ich mindestens einmal eine Brutwabe aus einem anderen Volk zu. Es braucht darauf viel frisch schlüpfende Brut und gerne auch ein paar Eiern. Nur die frisch schlüpfenden Bienen werden eine Woche nach dem Schlupf eine Weiselzelle anziehen können und wollen.

Drohnenbrütigkeit im Frühling

Leider sind nach dem Winter die Bienen meistens zu alt, wenn sie drohnenbrütig werden, dass sie junge Maden optimal aufziehen können.

Sind die Altbienen nicht in der Lage, aus der gegebenene Brutwabe schon eine Weiselzelle zu bilden, benötige ich eine Woche später noch mal eine Brutwabe mit wenigen jungen Larven. Gerne können dort noch mal viele Bienen schlüpfen (also viel verdeckelte Brut). Das stärkt das Volk zusätzlich mit Jungbienen, die ja später das Volk groß machen sollen. Jetzt sind die zuerst gegebenen Jungbienen aus der „schlüpfenden“ Brutwabe in der Lage, die Königin heranzuziehen.

Ganz junge Bienen und ganz alte Bienen können keinen Futtersaft für Jungmaden und Königinnen produzieren. Deshalb braucht es Bienen, die mindestens eine Woche alt sind.

Ist das Volk also schon länger drohnenbrütig sind die Bienen zu alt, um eine Jungkönigin oder junge Maden zu füttern. Sie räumen die junge offene Brut aus.

Längere Drohnenbrütigkeit braucht zwei Brutwaben

Die erste Brutwabe braucht also viel frisch schlüpfende Brut – es kann also ein voll verdeckelte Brutwabe sein. Die zweite Brutwabe – nach einer Woche zugegeben (7 bis 10 Tage) – braucht junge Maden und mindestens ein paar Eier auf der Wabe. Die frisch geschlüpften Bienen von der Woche zuvor sind jetzt in der Lage den richtigen Futtersaft herzustellen. Aus den jungen Maden, bzw. aus den Eiern – sobald die Maden schlüpfen – kann jetzt eine Jungkönigin herangezogen werden.

Man bringt also junge Bienen ins Volk, die ja eine Königin wollen und heranziehen können. Ziehen diese eine Weiselzelle an, kann ich sie brechen und eine neue Königin mit Futterteigverschluss zusetzen. Die jungen Bienen sind an der neuen Mutter interessiert und werden sie füttern und pflegen, dass sie Eier legen kann. Die Drohnenmütterchen werden aufhören, unbefruchtete Eier zu legen, da sich der Geruch im Bienenstock mit junger Brut und Königinnenlarven verändert. Das Gleichgewicht im Volk stellt sich wieder her.

Bienen sind zu alt – Futtersaftproduktion nur noch für „alte“ Maden

In einem drohnenbrütigen Volk sind einfach die Bienen zu alt, um eine Königin richtig versorgen zu können. Die Königin muss einen ganz besonderen Futtersaft bekommen. Dieser ist anders, als der für die Pflege von älteren Bienenmaden von Drohnen und Arbeiterinnen. Der Futtersaft für die ganz jungen Maden wird von Ammenbienen hergestellt, die 6-8 Tage alt sind. Bei diesen Bienen sind zusätzliche Futtersaftdrüsen ausgebildet, die in ganz jung geschlüpften Bienen noch nicht aktiv sind. Die alten Bienen verlieren vermutlich auch einen Teil dieser aktiven Futtersaftdrüsen. Eine Königin kann von alten Bienen nicht ausreichend gefüttert werden. Sie legt dann keine Eier mehr oder kaum noch Eier, so dass ein Volk nicht überleben kann.
Eine aktive Königin wird ihr Leben lang mit Gelee Royale gefüttert. Das ist der Futtersaft, den auch ALLE ganz jungen Larven in den ersten 3 Tagen bekommen.

Kleinere Drohnen bei Drohnenbrütigkeit

Die junge Brut kann von alten Bienen nicht richtig versorgt werden. Deshalb werden Drohnen bei einem drohnenbrütigen Volk oft kleiner ausgebildet. Diese Drohnen sind in der Regel viel kleiner als ihre vollständig ernährten Kollegen aus dem Nachbarvolk. Es kann sogar sein, dass sie durch ein Drohnenabsperrgitter schlüpfen, siehe Video.

Erst schlüpft ein Drohn rechts durch das Drohnengitter. Der nächste schlüpft links durch, das nur für Königinnen groß genug ist. Das MiniPlus Volk war drohnenbrütig und hatte keine Königin mehr (Aufnahme im September).

Drohnenbrütigkeit im Winter

Habe ich keine Brutwaben zur Verfügung, um junge Bienen in ein solches Volk zu bringen, kann ich nur eine Vereinigung der Bienen mit einem vollständigen Volk in Betracht ziehen. Da ich im Winter kein Volk auf den Boden abkehren möchte, habe ich es anders versucht und bisher immer Erfolg damit gehabt. Ich setze ein drohnenbrütiges Volk über einen offenen Adamfütterer auf ein anderes Volk auf, siehe oben.

Die Bienen verlassen nach und nach den oberen Raum mit der Drohnenbrut. Sind nach einer Woche nur mehr wenige Bienen in dem Raum über dem Fütterer, dann schüttele ich diese Bienen in den Fütterer und entnehme die Brutwaben und den oberen Raum. In den Fütterer streiche ich etwas cremigen Honig oder Honig-Futterteig und lege den Deckel wieder auf. Bei nächster Gelegenheit mit warmen Wetter (ab 10 bis 12 Grad) oder einem sonnigen Tag, nehme ich den Fütterer ab und lege den normalen Deckel mit Isolierung wieder auf die untere Beute. Die angebrüteten Waben schmelze ich ein.

Wir lehren nicht nur, ein drohnenbrütiges Volk kann man heilen, sondern es gibt viel Wissenswertes auf unsere Seite für Fachbegriffe oder in unsere Kursen.
Wenn du Interesse hast, richtig gut Imkern zu lernen, dann komm gerne zu uns.

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